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Mar 10, 2009

Begegnungen am Jakobs-Brunnen

Artikel für "Weltbewegt"

Das Heilige Land,
Heimat der Juden und Palästinenser, Wiege der Christenheit, sakraler Ort für die Moslems - kein Land wird wohl so innig geliebt und verehrt wie dieses Land, in das Abraham vor 3900 Jahren aus Ur (im heutigen Irak) einwanderte. Liebe hat aber oft auch etwas Besitzergreifendes – man glaubt ja gar nicht, wie viele verschiedene christliche Kirchen aller Kontinente sich Besitz in diesem Land gesichert haben, bis hin zur evangelischen Erlöser-Kirche, die Kaiser Wilhelm II. 1898 in Jerusalem mit einweihte. Bereits 1890 hatte die Deutsche Evangelische Mission 345 Hektar Land in Bir Salim in der Nähe von Ramla von den Türken gepachtet, um eine Landwirtschaftsschule für syrische Waisenkinder zu bauen. Auf diesem Land gründeten 1906 Juden aus dem Kaukasus den Ort באר-יעקב (Be’er Ja’aqow = Jakobs-Brunnen). Dieser Ort, der deutlich älter ist, als der erst 1948 gegründete Staat Israel, ist die erste israelische Gemeinde, die eine Partnerschaft mit einer schleswig-holsteinischen Stadt begonnen hat - mit Bad Oldesloe.

Deutsch-Israelische Annäherung
Die ersten drei Begegnungen, die die Verschwisterung einleiteten, sind interessanterweise von den Sportverbänden beider Länder initiiert worden. Am 29. Juni 1982 kam - trotz des gerade begonnen 1.Libanonkrieges - eine Gruppe von 21 Israelis (nur Erwachsene) unter Leitung des Bürgermeisters Nachum Itzkowitsch nach Bad Oldesloe. Der Gegenbesuch mit 28 Oldesloern (überwiegend Jugendliche aus dem Sportverein VfL Bad Oldesloe) begann im gleichen Jahr am 2. Oktober - genau zwei Wochen nach dem Shatila-Massaker in Beirut, das den Rücktritt von Ariel Scharon zur Folge hatte. Schon im Sommer darauf waren wieder israelisch Erwachsene in Bad Oldesloe. Nun sollte auch bald die Verschwisterung offiziell besiegelt werden (1984 beschließt dies die Oldesloer Stadtverordnetenversammlung), es dauerte dann aber doch noch bis zum 12. August 1987, dass die Bürgermeister beider Städte die zweisprachige Partnerschaftsurkunde unterzeichneten (darin wird die englische Schreibweise ‚Beer Yaacov’ benutzt.

Weitere Besuche wurden geplant und mal durchgeführt, aber auch mal abgesagt – je nach Einschätzung der Lage im jeweiligen Gastgeberland (so stornierte 1993 der israelische Bürgermeister die Reise seiner Gruppe nach Deutschland kurzfristig wegen des ausländerfeindlichen Brandanschlages in Solingen).
Zwei Höhepunkte in der Begegnungsgeschichte im letzten Jahrhundert:
1995 Ein bilaterales Chortreffen in der Oldesloer Festhalle
1996 Ein Vier-Nationen-Treffen von Jugendlichen aus allen Partnerstädten der Gastgeberin Bad Oldesloe – aus Olivet in Frankreich, Kolberg in Polen und Beer Yaacov.
Weitere Besuche und Gegenbesuche erfolgten 2001 und 2007 – dem Jahr des 20-jährigen Jubiläums [Bild 1] – und 2008 (mit der seit 1982 ersten Oldesloer Jugendgruppe, die wieder nach Israel fuhr [Bild 2,3]).
Um die historische Besonderheit der deutsch-jüdischen Beziehung allen Oldesloer Bürgern ins Bewusstsein zu rufen, wurden zum 60. Jahrestag der israelischen Staatsgründung Ausstellungen und Liederabende durchgeführt. Im gleichen Jahr 2008 führte der Freundeskreis Beer Yaacov, der Freundeskreis der Segeberger Synagoge und die katholische wie evangelische Gemeinde Bad Oldesloes zusammen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund eine Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht durch. In der Gedenkansprache wies Pastor Volker Hagge auch auf die Mitschuld der Kirchen hin, die ihre Archive öffneten und damit den Nazis Helferdienste beim „Enttarnen“ getaufter Juden lieferten.

Wahrnehmen, Denken und Fühlen
Eine Partnerschaft, bei der ja Menschen im anderen Land nicht im Hotel, sondern in den Familien leben, führt zu tieferen Einblicken und auch tieferen Beziehungen. Es ist schön, wenn man entdeckt, dass der Gast resp. Gastgeber die gleiche Musik, die gleiche Literatur mag. Gerade bei den älteren Aschkenasim (Juden aus Europa) spürt man, dass die europäischen Wurzeln ihnen viel bedeuten. Die gemeinsame, von unserer Nation verdüsterte Vergangenheit, wird überraschender Weise dem Besucher nicht vorgeworfen. Natürlich ist es aber nicht möglich, sich dem Mitleiden zu entziehen, wenn der Erzählung über die ermordeten Eltern gleich die über den in einem der vielen Nahostkriege gefallenen Sohn oder Enkel folgt.
Ein wenig erschrocken bin ich aber schon, wie wenig bei unseren israelischen Freunden darüber reflektiert wird, wie man nach nun 60 Jahren seit Bestehen ihres Staates und bereits 125 Jahren seit Beginn der zionistischen Aliyah (der Rückeinwanderung nach Palästina) zu einem Frieden mit den Palästinensern kommen könnte. Natürlich diskutiere ich das nicht mit Ihnen, weil ich denke, als Deutscher darf man hier keine Ratschläge geben – ich verweise dann nur auf die deutsch-polnische und die deutsch-französische Geschichte, um dem demonstrierten Fatalismus wenigstens etwas entgegen zu setzen.
Besonders auffällig für mich war beim Besuch 2008 in Israel, dass der Einfluss des Religiösen stark zugenommen hat (zuletzt war ich 1978 in Israel gewesen). Mein Gastgeber war zwar sehr säkular gestimmt und die deutschen Jugendlichen berichteten, dass die religiösen Bräuche in manchen Familien wohl eher oberflächlich verhaftet seien, doch dass die israelische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit nun verstärkt meint, sich religiös gebärden zu müssen, wird den Friedensprozess eher behindern, wie das jüngste Wahlergebnis es ja auch bestätigt.

Die Jugendlichen beider Länder sind fröhlich und respektvoll miteinander umgegangen. Die Deutschen haben sich ausführlich über Religion, Historie, Landschaft, Wirtschaft und Politik vorher in Referaten auseinandersetzen müssen, bevor wir nach Tel Aviv aufbrachen, die Israelis hatten beim darauf folgenden Gegenbesuch keine Zeit dazu, denn sie mussten einen 50-tägigen Lehrerstreik nacharbeiten und haben sich völlig ausgepumpt gleich nach der Zeugnisvergabe in das Flugzeug nach Hamburg gesetzt.
Auf unserem letzten gemeinsamen Abend in Berlin gab es eine schriftliche Rückmeldungsrunde.
Ergebnis: Überrascht hat die israelischen Jugendlichen die Schönheit deutscher Landschaften und Bauten. Erfreut hat sie die so freundliche Aufnahme in den deutschen Familien.

Die Frage: „Was hast Du für Dich gelernt?“ hat Daniela Bitton (16) – natürlich auf Englisch – so beantwortet: „Ich weiß jetzt, dass wir trotzt der Geschichte und unserer Vergangenheit hier völlig ohne Furcht sein dürfen, sowie gute Freunde finden und viel Spaß zusammen haben können!“ Sie fügte den Wunsch an, diese gegenseitigen Besuche zur Tradition werden zu lassen.

Bild 1: Die Bürgermeister von 1987 (links Ulrich Gudat, rechts Nachum Itzkowitsch) tauschen einen Erinnerungsteller aus bei der 20 Jahrfeier der Verschwisterung 2007 [Foto: Matthias Buss]















Bild 2: Die israelische Schülerin Nitzan Elkayan (15) entzündet die beiden Kerzen für den Schabbatsegen beim Besuch in Deutschland (mit Lehrerin Sahrid Schuldmann) [Foto: Hartmut Jokisch]
















Bild 3: Die deutschen Jugendlichen mit Begleitern 2008 vor der alten Nabatäer-Stadt Avdat (3Jht. v.Chr. – 5. Jht. n.Chr.) [Foto: Stefan König]

Jul 21, 2008

Bericht über denBesuch aus Beer Yaacov 2008

„Unsere Gastgeber waren so freundlich!“


Eigentlich hatten sie ja schon Ferien und wären sonst gerne in die nähere und preiswertere Türkei gefahren, so wie die meisten israelischen Familien e
s tun, die sich eine Auslandsreise leisten können. Diesmal aber hatten 10 israelische Jugendliche und zwei erwachsene Begleiter den Wunsch, im Juli nach Deutschland zu fahren, um diejenigen Jugendlichen zu treffen, die im Frühjahr ihre kleine Gemeinde Be’er Ya’acov in Israel besucht hatten.


Unser Wadi ist das Watt

„Was könnten wir denn den Israelis bieten, was wäre z.B. mit der äußerst beeindruckenden Erfahrung einer Wanderung durch die Wadis der Wüste Negev vergleichbar?“ fragte sich die deutsche Reisegruppe bereits damals beim Rückflug von Tel Aviv. Man war sich schnell einig: „Unser Wadi ist das Watt!“

So erlebten die Gäste aus Israel gemeinsam mit ihren deutschen Gastgebern nach dem Besuch des imposanten Multimar-Wattforums in Tönning eine veritable Wattwanderung vor Westerhever, geführt von einem versierten Ranger des größten Nationalparks zwischen Nordkap und Ätna.











[ Watt statt Wadi, im Vordergrund der Leiter der israelischen Jugend-Gruppe Uri Schimoni (40)].


Hansestadt der drei Kulturen

Ein weiterer Höhepunkt der Besuchswoche im Norden war die Hansestadt Lübeck, die die Besucher mit ihrer Backsteingotik faszinierte. Solche Bauwerke gibt es in Israel nicht. Die Jugendlichen wurden über die Bedeutung der Königin der Hanse im Mittelalter informiert und erlebten die kulturelle Vielfalt des aktuellen Lübecks aus eigener Anschauung durch den Besuch einer Moschee, der Marienkirche und der Synagoge. Hier empfing sie Benjamin Gruska (84), ein Veteran des Warschauer Ghetthos, der nach dem Untergrundkampf gegen die Nazis anschließend in der Nachkriegszeit in Lübeck für die Auswanderung der Juden nach Israel tätig war (und auch in Leo Uris berühmten Buch „Exodus“ erwähnt wird). Für die israelisch Lehrerin Sahrid Schuldmann (44) war diese Begegnung besonders bewegend, weil ihr Großvater auch im Warschauer Ghetto gekämpft hatte. Sofort wurde das Handy gezückt und eine Live-Schaltung mit Israel hergestellt, bei der Benjamin und Sahrids Vater auf Jiddisch miteinander plauderten.












[Sahrid Schuldmann, Benjamin Gruszka und Uri Schimoni in der Lübecker Synagoge ].













[Die israelisch Reisegruppe vor dem Holstentor ]


Gemeinsam statt einsam

Die israelischen Gäste waren alle einzeln bei den Familien untergebracht, von denen jemand im Frühjahr in Beer Yaacov gewesen war. Für manchen Gast war es eine schwere Umstellung auf deutsches Essen und deutsche Pünktlichkeit – so hatte es auch im Einzelfall schon mal Heimweh gegeben. Die israelischen Gäste waren auch sehr erstaunt, dass es nicht wenige Deutsche in ihrem Alter gibt, die sogar für ein ganzes Jahr in das Ausland gehen – so etwas kannten sie überhaupt nicht und konnten es für sich selbst auch gar nicht vorstellen.

Somit waren sie auch immer froh, wenn Gruppenaktivitäten stattfanden und sie wieder einmal Hebräisch sprechen konnten, mit ihren Gastgebern ging es ja nur auf Englisch.

Außer bei den Exkursionen hatten sie dazu immer Gelegenheit bei den gemeinsamen Veranstaltungen wie Empfang im Bürgerhaus durch den Bürgermeister, gemeinsames Kochen und Essen, mehrere Besuche im Bad Oldesloer Ini-Haus und die Verabschiedung im Herrenhaus Trenthorst durch den Freundeskreis Beer Yaacov und letztlich bei der gemeinsamen Fahrt nach Berlin.


Lokal-Kolorit und Metropol-Esprit

Die israelischen Jugendlichen hatten neben den Einblicken in den Schulalltag an TMS und IGS und der obligatorischen Stadtführung auch das Glück, einen der festlichen Höhepunkte der Einheimischen Bad Oldesloes zu erleben: das historische Vogelschießen.

Darüber hinaus „erfuhren“ sie per Hadag-Boot die Weltstadt Hamburg mit ihren Speichern, dem riesigen Container-Schiffen und –Terminals.

Ein besonderes Erlebnis war dabei der Gang unterhalb der Elbe im fast 100 Jahre alten Tunnel.

Zum Abschluss des Aufenthaltes im Norden gab es wieder Ländliches: Eine Führung über das Gelände und durch die Stallungen des Instituts für ökologischen Landbau in Trenthorst von Professor Dr. Gerold Rahmann, der sowohl auf die Nazi-Vergangenheit des jetzt nach Johann Heinrich von Thünen benannten Instituts hinwies wie auch mit eindringlichen Worten bei den Jugendlichen für die Wertschätzung von Nahrung als der Grundlage unseres Lebens warb.












[Eine lustige Treckerfahrt über die Trenthorster Ländereien mit Israelis und israelischem Freundeskreis ]



On the rivers of Babylon

Drei Tage Berlin zum Abschluss des israelisch-deutschen Jugendaustausches sollten den Höhepunkt darstellen. Die deutschen und israelischen Jugendlichen „erforschten“ zusammen mit Freundeskreismitgliedern

a) die Aufgaben und Tätigkeiten einer Bundestagsabgeordneten (die Grüne Cornelia Behm war in den Parlamentsferien als Einzige bereit, uns zu empfangen),

b) die Geschichte des jüdischen Berlins und schließlich

c) die dreitausendjährige Geschichte Babylons, die ja eng mit jüdischer Geschichte und Religiosität verbunden ist: Im Gegensatz zur irreführenden Propaganda im Alten Testament („Wir weinten an den Wassern Babylons“) war die „babylonische Gefangenschaft“ eine der fruchtbarsten Zeiten der jüdischen Theologie. Mit dem Fehlen des heimatlichen Tempels in Jerusalem endete nämlich die Fixierung der Juden auf den Tempel als alleinigen Ort des Gebets, und es entstanden die ersten Synagogen – im heutigen Irak!












Berliner Reichstag [ vlnr: Uri Schimoni, MdB Cornelia Behm, die Freundeskreismitglieder Karin Hoffmann und Bettina Gräfin Kerssenbrock, dazu Sahrid Schuldmann (mit Sonnenbrille etwas zurück) ]












[Eine besondere Überraschung wurde den Israelis am Freitagabend geboten: Frau Jokisch hatte extra zwei Challot (geflochtene Hefebrote – mit Mehl, Öl, Wasser, Salz) gebacken sowie dazu noch Kerzen, Salz und Wein mit in das Jugendhotel gebracht, so dass Uri Schimoni zum Einklang des Schabbat den Kiddusch (den Schabbat-Segen) sprechen konnte.]

[Der Stadtführer erklärt am Denkmal in der Berliner Rosenstraße den einmaligen Vorgang während des Naziregimes, dass christliche Frauen durch eine öffentliche Straßen-Demonstration ihre jüdischen Männer aus der Haft befreien konnten – ein Ereignis, dass in Israel kaum bekannt ist ]

Jul 13, 2008

Guests from Beer Yaacov in Bad Oldesloe

Guests from Beer Yaacov and their hosts at the Bürgerhaus (House of citizens) in Bad Oldesloe [13th of July 2008]

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